Samsung entwickelt seine Fernseher nicht nur bei Paneltechnologie und Bildverarbeitung weiter, sondern auch beim grundlegenden Anschlusskonzept. Mit der Wireless One Connect Box geht Samsung einen weiteren Schritt in Richtung kabelloser Integration und trennt Signalquellen und Display stärker voneinander. Externe Geräte werden weiterhin zentral angeschlossen, die Verbindung zum Fernseher erfolgt jedoch optional ohne Kabel.
Damit stellt sich die Frage, wie diese kabellose Signalübertragung technisch umgesetzt wird und ob sie eine klassische HDMI-Verbindung vollständig ersetzen kann. Welche Auswirkungen ergeben sich für Bildqualität, Latenz und Installation im Alltag? Die folgenden Abschnitte zeigen, wie die Wireless One Connect Box funktioniert, welche Vorteile sie bietet und wo technische Grenzen liegen.
Einordnung der Wireless One Connect Box im Samsung Lineup
Samsung erweitert im Jahr 2026 das bestehende One Connect Konzept um eine kabellose Variante und verschiebt damit die Architektur seiner Fernseher weiter in Richtung modularer Aufbau. Die One Connect Box bleibt die zentrale Schnittstelle für alle externen Signalquellen. HDMI-Geräte, Tuner und weitere Eingänge werden vollständig aus dem Fernseher ausgelagert. Neu ist, dass die Verbindung zwischen Box und Display nicht mehr zwingend physisch erfolgen muss. Damit trennt Samsung die klassische Einheit aus Signalverarbeitung und Anzeige stärker auf.
Innerhalb des Portfolios ist die Wireless One Connect Box zunächst im Premiumsegment positioniert. Sie ergänzt QD-OLED und hochklassige Neo QLED Modelle und ist nicht flächendeckend verfügbar. Der Fernseher wird dadurch stärker zu einem reinen Panel mit integrierter Bildverarbeitung, während die Signalverwaltung vollständig in die externe Box ausgelagert bleibt. Dieses Konzept ist technisch relevant, da es die Grundlage für flexible Installationen und neue Designansätze bildet.
Im 2026er Lineup wird die Wireless One Connect Box (Stand April 2026) bei diesen TVs verfügbar sein:
- Premium-OLED (S95H / S99H)
- Lifestyle-TV (Frame Pro)
- Micro RGB High-End (R95H)

Funktionsweise der kabellosen Signalübertragung
Die Wireless One Connect Box übernimmt weiterhin die Rolle als zentrale Signalquelle. Alle externen Geräte werden wie gewohnt per HDMI angeschlossen. Die Box verarbeitet die Eingangssignale, wählt die aktive Quelle aus und bereitet das Signal für die Ausgabe auf. Anschließend wird das Bild- und Tonsignal drahtlos an den Fernseher übertragen.
Die Übertragung erfolgt in Echtzeit und ist darauf ausgelegt, möglichst verlustfrei zu arbeiten. Ziel ist es, die gleiche Signalqualität bereitzustellen wie bei einer kabelgebundenen HDMI-Verbindung. Der Fernseher empfängt das Signal, verarbeitet es weiter über den internen Bildprozessor und steuert anschließend das Panel an. Die eigentliche Bildberechnung, etwa Upscaling oder HDR-Verarbeitung, verbleibt weiterhin im Fernseher und nicht in der Box.
Für den Nutzer bleibt der Ablauf unverändert. Die Auswahl der Eingänge, die Steuerung der Geräte und die Menüführung erfolgen wie gewohnt über das TV-System. Die drahtlose Verbindung ist transparent integriert und erfordert keine separate Konfiguration im Alltag.
Vorteile bei Installation und Verkabelung
Der größte praktische Vorteil liegt in der Reduzierung der Verkabelung. Bei klassischen Fernsehern müssen mehrere HDMI-Kabel direkt zum Gerät geführt werden. Dies ist insbesondere bei Wandmontage problematisch, da Kabel sichtbar bleiben oder aufwendig verlegt werden müssen. Mit der Wireless One Connect Box entfällt diese Verbindung vollständig.
Der Fernseher benötigt lediglich eine Stromversorgung. Alle weiteren Kabel werden an die externe Box angeschlossen, die flexibel im Raum positioniert werden kann. Dies ermöglicht eine saubere Installation ohne sichtbare Kabel im direkten Umfeld des Displays. Besonders bei minimalistischen Wohnkonzepten oder flacher Wandmontage verbessert sich die Integration deutlich.
Zusätzlich erlaubt die externe Positionierung der Box eine bessere Zugänglichkeit der Anschlüsse. Geräte können einfacher angeschlossen oder gewechselt werden, ohne den Fernseher zu bewegen oder Wandinstallationen zu verändern. Dies erhöht die Alltagstauglichkeit, insbesondere bei häufig wechselnden Signalquellen.
Technische Anforderungen an Bandbreite und Stabilität
Die kabellose Übertragung von hochauflösenden Videosignalen stellt hohe Anforderungen an die zugrunde liegende Funktechnologie. Moderne Inhalte liegen häufig in 4K-Auflösung mit hohen Bildwiederholraten vor. In Kombination mit HDR entstehen sehr hohe Datenraten, die in Echtzeit übertragen werden müssen.
Um eine vergleichbare Qualität wie bei HDMI zu erreichen, muss die Verbindung eine hohe Bandbreite und gleichzeitig eine sehr geringe Latenz bieten. Zudem ist eine stabile Übertragung notwendig, da bereits kurze Signalunterbrechungen sichtbar wären. Die Funkverbindung muss daher unempfindlich gegenüber Störungen durch andere Geräte oder bauliche Gegebenheiten sein.
Ein weiterer Aspekt ist die Kompression. Idealerweise erfolgt die Übertragung unkomprimiert oder mit minimaler Kompression, um Qualitätsverluste zu vermeiden. Gleichzeitig muss die Datenrate innerhalb der technischen Grenzen der Funkverbindung bleiben. Dies erfordert eine optimierte Abstimmung zwischen Datenmenge, Kompression und Übertragungsstabilität.
Die kabellose Signalübertragung der Wireless One Connect Box basiert vermutlich auf einer Hochfrequenzlösung im 60-GHz-Bereich, wie sie auch bei Wireless-HDMI-Systemen eingesetzt wird. Samsung nennt zwar keine konkreten technischen Details, die begrenzte Reichweite auf einen Raum sowie die Empfindlichkeit gegenüber Hindernissen sprechen jedoch klar für diese Technologie. Solche Systeme ermöglichen Datenraten im zweistelligen Gigabit-Bereich bei gleichzeitig sehr niedriger Latenz. Eine unkomprimierte Übertragung wie bei HDMI 2.1 ist dabei nicht realistisch, stattdessen kommt eine visuell verlustfreie Kompression zum Einsatz. Ziel ist es, die Bildqualität und Reaktionsgeschwindigkeit einer kabelgebundenen Verbindung möglichst vollständig zu erreichen.
Trennung von Signalverarbeitung und Display
Die Wireless One Connect Box verstärkt die Trennung zwischen Signalverwaltung und Anzeigeeinheit. Die externe Box übernimmt alle Aufgaben rund um die Eingänge und die Signalweiterleitung. Der Fernseher selbst konzentriert sich auf die Bildverarbeitung und die Darstellung auf dem Panel.
Diese Trennung hat mehrere Vorteile. Zum einen wird der Fernseher konstruktiv einfacher, da weniger Anschlüsse und Schnittstellen integriert werden müssen. Zum anderen ermöglicht sie eine flexiblere Weiterentwicklung der Anschlusstechnik, da Änderungen an der Box vorgenommen werden können, ohne das Display selbst anzupassen.
Gleichzeitig bleibt die zentrale Bildverarbeitung im Fernseher. Funktionen wie AI-Upscaling, HDR-Optimierung oder Bewegungsinterpolation werden weiterhin direkt im Gerät ausgeführt. Dadurch bleibt die Bildqualität unabhängig von der Position der Signalquelle.
Parallelen zu LGs Zero Connect Box
Die Einführung der Wireless One Connect Box erinnert an eine ähnliche Entwicklung bei LG. LG hatte bereits zuvor mit der Zero Connect Box eine vergleichbare Lösung umgesetzt. Auch hier werden alle Signalquellen in einer externen Box gebündelt und drahtlos an den Fernseher übertragen.
Das grundlegende Ziel ist bei beiden Herstellern identisch. Die Verbindung zwischen Zuspielgeräten und Display soll ohne sichtbare Kabel erfolgen, ohne dabei die Bildqualität oder Reaktionsgeschwindigkeit zu beeinträchtigen. Beide Systeme sind zunächst im Premiumsegment positioniert und richten sich an Nutzer mit hohen Anforderungen an Design und Integration.
Kabellose TV-Verbindung als neuer Trend im Markt
Die Entwicklung hin zur kabellosen Signalübertragung zeigt einen generellen Trend im TV-Markt. Fernseher werden zunehmend als reine Displays konzipiert, während Signalverarbeitung und Anschlussverwaltung ausgelagert werden. Dies ermöglicht neue Designansätze und eine flexiblere Integration in den Wohnraum.
Kabellose Lösungen reduzieren die Komplexität der Installation und verbessern die Alltagstauglichkeit. Gleichzeitig steigen die technischen Anforderungen an die Übertragung, insbesondere bei steigenden Auflösungen und Bildwiederholraten. Hersteller müssen daher Lösungen entwickeln, die sowohl hohe Datenraten als auch stabile Verbindungen gewährleisten.
Langfristig könnte sich dieses Konzept weiter verbreiten, insbesondere im Premiumsegment. Die Wireless One Connect Box zeigt, dass kabellose Signalübertragung eine realistische Alternative zur klassischen HDMI-Verbindung darstellt, sofern Bandbreite, Latenz und Stabilität auf einem ausreichend hohen Niveau gehalten werden können.