Energieeffizienz beim TV: neue Einstufungen beim Energielabel seit März 2021

Energielabel für Fernseher seit März 2021

Im März 2021 hat die EU ein neues Energielabel eingeführt. Dieses gilt neben Haushaltsgeräten wie Kühl- und Gefriergeräten, Geschirrspülern sowie Waschmaschinen und Trocknern auch für elektronische Displays. Darin eingeschlossen sind Fernsehgeräte, bei denen das neue EU-Energielabel ebenfalls für einen besseren Überblick bei der Kaufentscheidung sorgen soll.

Ebenso erfährst Du, wie Du anhand des neuen Energielabels sehr einfach die native Bildwiederholrate des TV-Displays sowie weitere interessante Informationen herausfinden kannst.

Was sind Energielabel und Energieeffizienzklassen?

Das Energielabel gibt seit vielen Jahren Auskunft über die Energieeffizienz, also den Stromverbrauch und damit die Kosten für den Betrieb eines technischen Gerätes. Früher wurden die Produkte in unterschiedliche Energieeffizienzklassen von A bis G eingeteilt. Je energieeffizienter ein Gerät ist, desto besser ist auch die Einstufung in eine der sechs Energieeffizienzklassen. Besonders sparsame Geräte kommen somit seit jeher in die Klasse A.

Da die Geräte im Laufe der Zeit seit der Einführung des Energielabels im Jahr 1992 immer effizienter geworden sind, führte dies später zu einer Unterteilung der Energieeffizienzklasse A in mehrere Unterklassen, die mit ein bis drei Pluszeichen gekennzeichnet wurden.

neues Energielabel für TVs und Displays (Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie)
neues Energielabel für TVs und Displays (Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie)

Die meisten neu auf den Markt gekommenen Geräte wurden zuletzt mit A+++ gelabelt – vor allem im Bereich der Haushaltsgeräte. Eine wirkliche Unterscheidbarkeit war somit nicht mehr gegeben. Daher hat die EU im März 2021 ein neues Energielabel und neue Energieeffizienzklassen eingeführt.

Was hat sich seit März 2021 geändert?

Auf den ersten Blick sieht das neue EU-Energielabel seinem Vorgänger sehr ähnlich. Es gibt aber einige entscheidende Neuerungen, die wir nachfolgend für Dich zusammenfassen.

Die wichtigste Änderung ist, dass die Energieeffizienzklassen neu aufgeteilt wurden. Man geht quasi „back to the roots“. Das bedeutet, dass Geräte wieder nur in den Klassen A bis G eingeteilt werden. Die in vielen Gerätekategorien später eingeführten Klassen A+, A++ und A+++ wurden ersatzlos gestrichen. Dies hat zur Folge, dass viele Geräte nun in einer schlechteren Energieeffizienzklasse eingeteilt sind als zuvor. Allerdings macht es dies nach einer kurzen Eingewöhnungsphase für Verbraucher übersichtlicher, da über alle Gerätekategorien hinweg die gleichen „Noten“ A bis G vergeben werden.

Zudem liefert das neue Label – so wie zuvor auch das alte, nun aber in neuer Optik – noch weitere Informationen, die Kunden bei einer Kaufentscheidung und der Bewertung und dem Vergleichen verschiedener Geräte unterstützen sollen. Auf den genauen Aufbau sowie die einzelnen Punkte des neuen EU-Energielabels gehen wir im nachfolgenden Abschnitt ein.

Einen ersten Eindruck bekommst Du hier von dem bei uns im Jahr 2020 getesteten LG NANO80, welcher mit altem und neuem Energielabel dargestellt wird.

Energieeffizienzlabel Alt LG 49NANO80
Energieeffizienzlabel LG 49NANO80 bis März 2021: als Energieeffizienzklasse findet sich A auf dem Label wieder

Energieeffizienzlabel Neu LG 49NANO80
Energieeffizienzlabel LG 49NANO80 seit März 2021 (© LG): an der neuen Einstufung mit G (vorher A) kannst Du erkennen, dass sich an der Bestimmung der Klasse etwas geändert hat. Ebenso kannst Du jetzt mit der Angabe 79 kWh/1000h etwas mehr anfangen als mit den alten Angabe von 121 kWh pro Jahr.

Was bedeuten die verschiedenen Zahlen und Buchstaben des neuen Energielabels?

Oben rechts neben dem ENERGY-Schriftzug und der EU-Fahne ist ein QR-Code untergebracht. Dieser kann mit einem Smartphone gescannt werden und führt dann zu einer Webseite mit weiteren Produktinformationen. Dort sind alle im öffentlichen Teil der EU-Produktdatenbank hinterlegten Produktdetails einsehbar.

Neben des Energielabels sowie anderer Details ist in der EU-Produktdatenbank mittlerweile auch eine sehr interessante Information zu sehen: die native Bildwiederholrate des Panels. Jetzt kannst Du durch den Scan eines QR-Codes herausfinden, ob der Fernseher ein 50/60 Hz oder ein 100/120 Hz Panel hat. Diese Information haben die Hersteller in der Vergangenheit häufig für sich behalten bzw. es war sehr schwierig herauszufinden, welche Art des Panels eingesetzt wurde.

Darunter prangt groß die Einteilung der Energieeffizienzklassen. Diese sind wie gewohnt in einer Farbskala von Rot („sehr hoher Energieverbrauch“) bis hin zu Grün („sehr geringer Energieverbrauch“) unterteilt. Rechts zeigt ein Pfeil auf die Energielabelskala, der die Effizienzklasse des jeweiligen Produktes zwischen G und A angibt. Hier gibt es also im Vergleich zum vorherigen Label keine großen Änderungen bei der Darstellung.

Unter der Skala ist dann in einer separaten Zeile der Energieverbrauch pro 1.000 Stunden Betriebsdauer angegeben. Die Zahl gibt an, wie viel Strom in Wattstunden das Gerät verbraucht, wenn es 1.000 Stunden im typischen und für die Geräteklassen festgelegten Betrieb läuft.

Der untere Teil des neuen Labels fällt je nach Gerätekategorie unterschiedlich aus und liefert einige weitere Informationen rund um das jeweilige Gerät. Bei dem für uns interessanten Energielabel für Fernsehgeräte sind im unteren Bereich eine weitere Energieeffizienzklasse sowie Informationen zum Bildschirm aufgeführt.

Die obere Angabe gibt eine eigene Energieklasse sowie den Jahresverbrauch separat für den HDR-Betrieb aus. Denn TV-Geräte verbrauchen bei der Wiedergabe von HDR-Content erfahrungsgemäß etwas mehr Energie als im SDR-Betrieb. Dies gilt vor allem für LCD-TVs, die bei der Darstellung von HDR-Material mit ihrer Hintergrundbeleuchtung einen größeren Energiehunger aufweisen. Aber auch OLED-TVs benötigen für den HDR-Betrieb mehr Strom. Dem begegnet das EU-Energielabel damit, dass einfach eine eigene HDR-Einstufung erfolgt. Mag letztendlich etwas kompliziert klingen, ergibt aber (solange HDR kein Standard bei jeglichem Content ist) durchaus Sinn.

Die zweite Information ganz unten im Label betrifft die Diagonale sowie Auflösung des Panels. Bei einem 43-Zoll-Gerät mit 4K-Auflösung würden dort als Beispiel also 108 cm / 43 Zoll schräg in dem angedeuteten Fernseher sowie außen herum 3840 und 2160 für die Pixelanzahl in horizontaler sowie vertikaler Richtung stehen. Diese Information ist für die Energieeffizienz ebenfalls durchaus relevant, da größere Displaydiagonalen und eine höhere Auflösung in der Regel auch einen höheren Energieverbrauch nach sich ziehen.

Mehr Details findest Du in einer Broschüre des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu den neuen Energielabel für TV-Geräte und elektronische Displays.

Ein weiteres Beispiel findest Du bei dem ebenfalls 2020 getesteten Samsung TU8079, welcher 2020 noch mit der Klasse A eingestuft wurde und mit dem neuen Energielabel nun als G klassifiziert ist.

Energieeffizienzlabel Alt GU43TU8079
Energieeffizienzlabel GU43TU8079 bis März 2021: der TV TU8079 mit 43 Zoll ist mit A eingestuft und einem jährlichen Verbrauch von 96 kWh.

Energieeffizienzlabel Neu GU43TU8079
Energieeffizienzlabel GU43TU8079 seit März 2021 (© Samsung): mit einer Klasse G liegt der TU8079 im Vergleich zu vorher (Einstufung als Klasse A) nun am unteren Ende der Skala. Ebenso ermöglicht jetzt der jährliche Energieverbrauch einen direkten Ansatz für eine Vergleich. So kannst Du direkt erkennen, dass der Samsung mit 43 Zoll etwas mehr Leistung aufnimmt als der LG NANO80 mit dem etwas größeren 49 Zoll Display.

Sind Fernseher jetzt automatisch deutlich schlechter eingestuft?

Prinzipiell soll das neue EU-Energielabel die Vergleichbarkeit der Geräte wieder vereinfachen. Daher wurden eben die Klassen A+ bis A+++ gestrichen und die Klassen neu eingeteilt. Während TV-Geräte zuvor in die Klassen D bis A+++ unterteilt waren, werden sie nun von A bis G bewertet.

Zudem wird die beste Energieklasse A aktuell noch nicht vergeben. Dies hat man bewusst gemacht, um Spielraum für die fortschreitende technische Verbesserung zu lassen. Außerdem soll dies als Anreiz für die Hersteller verstanden werden, ihre Geräte weiter zu verbessern und den Stromverbrauch zu reduzieren, um auch bei dem neuen EU-Energielabel auf die Einstufung A zu kommen. Die beiden Punkte haben automatisch zur Folge, dass es zu einer Herabstufung der Energieeffizienzklasse der einzelnen Geräte kommt.

Warum hat mein TV jetzt auf einmal die schlechteste Klasse / ist als G eingestuft?

Ein Fernseher, der nach dem alten Energielabel auf eine vermeintlich gute Einstufung von A+ oder A++ kam, kann nun deutlich schlechter eingestuft und sogar nur mit einem C, D oder gar F bewertet werden.

Einige Angaben des neuen Labels basieren zudem auf aktualisierten bzw. neuen Berechnungen. Hierfür hat die EU die Prüfbedingungen geändert und praxisnaher positioniert. Daher sind die auf dem Label ausgegebene Werte wie der Verbrauch pro 1.000 Stunden des alten Energielabels vor März 2021 und dem neuen EU-Energielabel ab März 2021 ebenfalls nicht wirklich vergleichbar.

Wichtig: Nur weil ein Fernseher nach dem neuen Label eine schlechtere Einstufung erhält, verbraucht er letztendlich natürlich nicht mehr Strom im Betrieb. Es zeigt aber deutlicher auf, dass es eben noch deutlich effizientere Geräte gibt. Hätte ein Gerät früher die Klasse A+ bekommen und wird nun auf einmal als F eingestuft, dürfte Käufer dies mehr abschrecken.

Die Folge ist, dass sich die Hersteller aller Voraussicht nach noch mehr anstrengen werden, den Energieverbrauch ihrer TV-Geräte zu senken. Die Europäische Kommission erwartet nach eigenen Schätzungen mit der Einführung des neuen Energielabels bis 2030 einen um bis zu 39 TWh jährlich reduzierten Stromverbrauch. Dies entspricht in etwa dem dreifachen des jährlichen Stromverbrauchs von Berlin. Sollte dies das Ergebnis des neuen Labels sein, wäre dies sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung.

Wie wird die Energieeffizienz beim TV ermittelt?

Die Europäische Kommission gibt genaue Kriterien vor, unter welchen Bedingungen der Energieverbrauch getestet und ein Gerät damit in die jeweiligen Energieeffizienzklassen eingestuft wird. Dies stellt sicher, dass die Angaben über alle Hersteller und Modelle hinweg vergleichbar sind. Dies läuft ähnlich ab wie die Testprogramme zum Kraftstoffverbrauch von Autos.

Die Energieeffizienzklasse wird anhand des Energieeffizienzindex bestimmt. Je kleiner der Index, umso besser die Klasse. Der Index wird anhand einer Formel berechnet, in die tatsächliche Leistungsaufnahme bei einer bestimmten Test-Videosequenz sowie die Anzeigeoberfläche einfließt. Toleranzwerte können einfließen, wenn das Fernsehgerät eine automatische Helligkeitsregelung mitbringt: hier können dann 10% von der gemessenen Leistungsaufnahme abgezogen werden.

Die Leistungsaufnahme wird mit einer Videosignal-Testschleife über eine Dauer von zehn Minuten überprüft und der Durchschnittswert aus der Leistungsaufnahme verwendet. Außerdem findest Du jetzt auf dem Produktdatenblatt, welches hinter dem QR-Code verlinkt ist, Informationen wie die native Bildwiederholrate und die garantierte Software-/Firmware-Aktualisierung sowie die Verfügbarkeit von Ersatzteilen für den TV. Insgesamt also eine sehr transparente Darstellung, die dem Käufer tatsächlich weiterhilft!

Details kannst Du im Amtsblatt der Europäischen Union mit einer Verordnung zu diesem Thema finden. Im Anhang 2 zum Amtsblatt findest Du die Details zur Berechnung des Energieeffizienzindex und der damit verbundenen Energieeffizienzklasse.

Wichtiger Hinweis: Die tatsächlichen Werte für den Energieverbrauch in deinen eigenen vier Wänden können sich hiervon unterscheiden. Dies kann z. B. durch eine andere Einstellung bei der Bildschirmhelligkeit ergeben. Auch andere Funktionen wie WLAN- und Netzwerkbetrieb oder zeitversetzte Aufnahmen können zu einem höheren Stromverbrauch führen, als auf dem Energielabel angegeben wird.

Wie werden die Hersteller die TVs energieeffizienter machen können?

Bisher ging es den TV-Herstellern vor allem darum, das Bild und die Ausstattung ihrer Geräte immer besser zu machen. Eine Einstufung als Gerät der Klasse A+ bis A+++ gelang aufgrund der alten Vorgaben meist relativ einfach. Mit dem neuen Energielabel will die EU nun einen neuen Anreiz schaffen, dass die Unternehmen auch Ressourcen und Geld in noch bessere, sprich stromsparendere Technologien und Entwicklungen stecken.

Eine mögliche Reaktion der Hersteller könnte eine Reduzierung der Bildhelligkeit im Standardmodus sein. Denn das Panel und die Erzeugung eines hellen Bildes sind nun einmal die größten Stromverbraucher in einem Fernseher. Besonders 8K-Geräte verbrauchen viel Strom. Aber auch die Entwicklung neuer und hoffentlich sparsamerer Technologien wie Mini-LED und Micro-LED könnten davon profitieren. LG Display ist mit seinen Evo OLED-Panel aus 2021 ebenfalls einen wichtigen Schritt in diese Richtung gegangen und hat bei gleicher Spitzenhelligkeit eine geringere Leistungsaufnahme erreicht.

Letztendlich könnte die Entwicklung der TV-Hersteller sich aber auch in zwei Richtungen aufteilen: Mit einer Produktgruppe mit sparsamen Modellen bedienen sie Kunden, die besonders hohen Wert auf Energieeffizienz legen. Mit einer zweiten Produktgruppe fahren sie ihre Technik-Show weiter fort und bieten die besten Bilder und Fernseherlebnisse, ohne wirklich auf die finale Energielabe-Einstufung zu achten: hier könnten sie technik- und unterhaltungsbegeisterte Kunden abholen, für die die Energieklasse nur eine Randnotiz bei der Kaufentscheidung ist.

Fazit zum neuen EU-Energielabel

Sollten sich die Prognosen der EU bewahrheiten und die Hersteller durch das neue Energielabel motiviert sein, ihre Geräte sparsamer als bisher zu machen, hat sich die Einführung auf jeden Fall schon gelohnt. Schließlich sind Fernseher, aber auch viele andere Haushaltsgeräte immer noch mit die größten Stromfresser in den Haushalten.

Für Kunden bietet das Label einen besseren, weil vergleichbareren Überblick über alle Gerätekategorien hin. Allerdings werden wir uns zunächst umstellen müssen und akzeptieren, dass die Energieklassen B und C bei Fernsehern eigentlich „richtig gut“ sind, während sie früher eher das untere Ende der Fahnenstange dargestellt haben.

Besonders gut gefallen uns die Produktdaten auf der Webseite, die mittels QR-Code abgerufen werden können. Das sorgt insbesondere bei einigen Parametern des TV (insbesondere die native Bildwiederholrate) für Transparenz beim Käufer!

Was sagst Du zu den neuen Energielabeln, die im März 2021 für TVs eingeführt wurden?

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